Konferenz rund um digitale Produktentwicklung – ein Bericht von der Working Products 2019

 In agile Events

Vom 13. und 14. Juni 2019 hat die Konferenz Working Products zum bereits vierten Mal in Hamburg stattgefunden. Ich war erneut mit dabei und geben Einblicke in die Konferenz für digitale Produktentwicklung. Die Working Products hat sich über die Jahre weiterentwickelt und bietet neben Produktthemen zunehmend auch Kulturthemen zur agilen Organisationsentwicklung, agilen Transition und Selbstorganisiertem Arbeiten an. Dabei wird der Fokus digitale Produkte und Services erfolgreich und innovativ weiterzuentwickeln nicht aus den Augen verloren.

 

Die Working Products 2019 findet im Goldbekhaus in Hamburg statt.

12 Vorträge, 4 Workshops und offene Sessions – ein abwechslungsreiches Programm über 2 Konferenztage

Bei der Working Products läuft alles ein bisschen anders: statt mit einer Keynote wird hier traditionell mit ein paar einführenden Worten von Rolf Schulte Strathaus gestartet bevor Beate Winter es schafft mit Hilfe einer kurzen Meditationsübung die Energie der Teilnehmer zu bündeln und zu fokussieren. Schließlich sind alle von dem reichhaltigen Frühstück bei Sonnenschein und den ersten Kennenlerngesprächen noch etwas aufgedreht.
Anschließend geht es fließend zum abwechslungsreichen Programm über. Die beiden Konferenztage sind so aufgebaut, dass jeweils am Vormittag 6 Vorträge, in 2 parallelen Tracks stattfinden. In Track 1 (Halle) finden dabei die Kulturthemen und in Track 2 (Bühne zum Hof) die Produktthemen statt. Da die beiden Tracks nur durch einen Hof getrennt sind fällt es leicht zwischen den Vortragsthemen zu wechseln. Am Nachmittag finden offene Sessions im Barcamp/OpenSpace-Still statt, sowie erstmals parallel dazu 45 minütige Workshops.

Einzigartig bei der Working Products ist die Idee der Speakers Corner, die nach jedem Vortrag einen halbstündigen Austausch mit den jeweiligen Speaker vorsehen. Wer an deren Teilnahme kein Interesse hat kann zusätzliche Angebote nutzen, wie Bogenschießen oder Kanufahren, die Zerstreuung und Austausch zwischen den Teilnehmern fördern und die Zeit bis zum nächsten Vortrag oder Workshop verkürzen.

Session Highlights

Nutzerzentrierte Produktentwicklung – Strategie und Organisation bei Chefkoch

Wie nutzerzentrierte Produktentwicklung bei dem Bonner Webportal Chefkoch funktioniert zeigen Carsten Brokemeyer und Jörg Nastelski in einem offenen und lebendigen Vortrag.

Sie haben früh erkannt, dass auch ein bekanntes und viel genutztes Portal wie Chefkoch im Wandel ist und sich stetig weiterentwickeln muss. Als Agilisten mit langjähriger Erfahrung sind sie stringent gemäß test & learn vorgegangen und haben die Chefkoch Community immer wieder an ihren Produktentwicklungsprozess teilhaben lassen. Gemäß dem Motto “fail fast” konnten sie so schnell erkennen wenn ein Produkt keine Relevanz in der Zielgruppe hat und aufgegeben werden sollte.
Hervorzuheben ist hier das Vorgehen von Chefkoch den Kunden ganz gezielt schon weit vor dem Besuch des Webportals oder der App zu betrachten. Indem die Customer Journey bereits bei der Auswahl einer Zutat startet, eröffnen sich für die Produktentwicklung ganz neue innovative Optionen und Ideen.

Als Leseempfehlung nennen die Speaker das Buch “The Art of Action” von Stephen Bungay, dass auf strategische Kriegsführung verweist und so den Führungskräften unserer Zeit vermittelt, wie die Lücke zwischen Plänen, Ergebnissen und Maßnahmen zu schließen ist.
Überraschender weise haben die beiden Speaker aus einem Buch über strategische Kriegsführung viel wissenswertes für ihre Reise bei Chefkoch gelernt.

Carsten Brokemeyer und Jörg Nastelski von Chefkoch

Achtsamkeit in der Mittagspause

In ihrem Vortrag zu “Achtsamkeit in der Mittagspause” berichtet Anne Hoffmann (Siemens Logistics GmbH) über die Herausforderungen und Ergebnisse einer Mitarbeiterinitiative.

Zunächst bittet Anne Hoffmann alle Zuhörer des Vortrags die Handys in den Flugmodus zu schalten und wegzustecken. Das bewirkt Wunder. Wir waren in keinem Vortrag, der ruhiger und konzentrierter war als dieser. Anne Hoffmann kam ohne Power-Point Folien oder Mikrofon aus und hatte dennoch alle Augen und Aufmerksamkeit auf sich gerichtet. Sie berichtet davon, wie sie sich zunächst privat mit dem Thema auseinandergesetzt hat und dann das Gelernte auch ihren Kollegen bei Siemens mitgeben wollte. Gestartet hat sie mit einfachen Termineinladungen in der Zeit der Mittagspause, die zu Herausforderungen wie Raumknappheit (“Haben wir dafür eine Kostenstelle?”) und kreativen Ansätzen wie die der Gehmeditation im Freien geführt hat. Anne Hoffmann erzählt von Menschen, die bewegt waren von der Idee und den ersten Achtsamkeitsversuchen, sowie von Menschen die offen dafür waren Achtsamkeit im Unternehmen bekannter und zugänglicher zu machen und dann doch durch Bürokratie (und den eigenen Willen sich darüber hinweg zu setzen) gestoppt wurden.

Sie öffnet mit ihrem Vortrag die Augen – nicht nur für die Relevanz von Achtsamkeit, sondern auch über die Grenzen, Fesseln und Ängste, die wir uns in unserem Arbeitsalltag zum Teil selber angelegt haben und nun schwer loszulassen können. Arbeitsprozesse und Regelungen wurden in der Vergangenheit von Gewerkschaften hart erkämpft und haben auch heute noch ihre Daseinsberechtigung. Anne Hoffmann ruft dazu auf, dass wir kreativ werden um ein Ziel zu erreichen und andere Wege, als den direkten zu finden.
Ein Beispiel, dass mir im Gedächtnis geblieben ist: eine Führungskraft hatte vor mit dem Team in den gegenüberliegenden Park zu gehen und dort Achtsamkeits- und Gruppenübungen im Freien durchzuführen. Herausforderung hier war, dass die Mitarbeiter in diesem Park während der Arbeitszeit aber nicht versichert sind. Anne Hoffmanns kreativer Ansatz waren hier Reiseanträge für jedes Teammitglied für den gegenüberliegenden Park – so seien alle versichert und man könnte sein Ziel dennoch erreichen.

Mein Fazit

Die Konferenz bietet viel Raum für Erfahrungsaustausch und ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Themen. Aktuell wird die Working Products größtenteils von Teilnehmern aus und rund um Hamburg besucht, doch auch hier ist zu erkennen, dass die Veranstaltung auch über die Grenzen von Hamburg hinweg bekannter wird. Das ist schön, da so die Gruppe noch bunter und vielfältiger wird.

Hamburg ist immer eine Reise wert und die Working Products mit der wunderschönen Location Goldbekhaus wird daher auch im nächsten Jahr auf meiner  Konferenzliste stehen.

Wenn Du Dich für agile Arbeitsweisen interessierst, oder Dich gerne zu diesem Thema mit uns austauschen möchtest, nimm gerne Kontakt zu uns auf. 

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